Diese Jahresende-Beiträge, die Blogs gern mal publizieren, finde ich überwiegend überflüssig. Einen guten Anteil meiner Abneigung ist wohl in meinem Verdacht begründet, dass die Autor*innen einfach noch irgendetwas posten wollten und ihnen nichts einfiel, das noch weniger Arbeit macht und weniger Gehalt für die Lesenden hat. Im letzten Jahr habe ich dann selber so einen Jahresrückblick geschrieben und mich ebenso schuldig als Meuchler eurer kostbaren Lebenszeit gemacht. Meine schwache Verteidigung ist: Ich schreibe das in erster Linie für mich und ich hoffe, ihr verfasst Kommentare, die mir zum dunkelkalten Jahresende das eisige alte Herz erwärmen könnten – entweder vor Freude oder Zorn oder Scham. Ich bin nicht wählerisch, was die Herzheizung betrifft.
Was ich gespielt habe
Weiter habe ich meine langlaufenden Online-Kampagnen: Abomination Vaults mit Pathfinder 2E sollte 2026 langsam seinem Ende entgegengehen. Ich habe das Regelwerk mit seiner guten Balance, seiner hohen Spielbarkeit und so weiter zu schätzen gelernt, die Kampagnen mit ihren wiederkehrenden Abläufen wie „Wahrnehmungswurf, Kampf, Heilung, hoch ins Dorf, wieder runter in den quasi-Megadungeon, Wahrnehmungswurf, Kampf usw.“ ermüden mich zunehmend. Es macht Spaß, die Gruppe ist fantastisch, aber Pathfinder muss nicht mehr so bald sein.
Weiterhin läuft die sehr unterhaltsame Hyperborea Kampagne weiter. Ja, das ist eine Oldschool-lastige Runde, aber es gibt eine Menge Charakterspiel und die Mischung macht es für mich aus. Das funktioniert großartig und wir haben nach zwei Jahren bereits ein ganzes Abenteuer hinter uns und sind ins zweite eingestiegen. Swords & Wizardry Kampagnen laufen weiter – das ist OSR-Spiel reinster Sorte in einer großen Gruppe, die sich noch eine lange Zeit mit Frog Gods Splinters of Faith Kampagne beschäftigen wird. Ich ging vor einem Jahr davon aus, dass wir die Worlds Without Number Kampagne beenden würden und wir spielen immer noch fleißig im zweiwöchentlichen Takt vor uns hin. Bringen wir die Sache 2026 zu Ende? Ich mache keine Prognosen.
Weiter habe ich viel Spaß an zwei Runden RuneQuest – die eine findet öfter, die andere aus Krankheitsgründen seltener statt. Ich finde, dass die Runequesting.com das relativ komplexe Spiel deutlich erleichtert und flüssiger gestaltet. Dabei ist der „Ich habe eigentlich keine Ahnung, kann aber trotzdem konstruktiv mitspielen“ Faktor mit oder ohne Tool relativ hoch. Ein großer Aspekt des Reizes kommt hier offensichtlich auch für andere Mitspielende aus der tiefen, eigentümlichen Hintergrundwelt Glorantha. Das freut mich persönlich sehr, ich mag diese Spielwelt sehr.
Oh, ich habe zum ersten Mal AD&D 1. Edition gespielt und es war… besonders, aber auch unterhaltsam. Pro Stunde müssen die SC 10 Minuten Pause machen? Ich wünschte, das hätte ich in meinem Tarifvertrag und ich frage mich, ob Gary Gygax das damals seinen Angestellten bei TSR ebenso wie seinen Spielfiguren zugebilligt hat.
Das großartige Swords of the Serpentine bespiele ich an einem realen physikalischen Tisch mit physikalisch anwesenden Menschen und es ist fantastisch. Die Spielleitung steckt eine Menge Arbeit in die Runde und ich finde, sie macht einen exzellenten Job, nicht nur sechs (sechs!) Leute am Tisch gleichermaßen zu unterhalten und gleichzeitig die Regeln im Griff zu behalten. Wir spielen eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus… nennen wir sie „freischaffenden Informationsbeschaffungsagenten“, die von einem seuntüchtigen Schiff aus widerwillig für zweifelhafte Auftraggeber*innen arbeiten.
Eine Tischrunde mit dem geliebten Talislanta ist leider aufgrund von Krankheit eingeschlafen und es gibt leider keine Anzeichen, dass sie bald aufgeweckt werden kann. Es ist eine Schande, das war fantastisch!
Was ich geleitet habe
Ich habe nach 2024 erneut weniger geleitet, was zum einen an den vielen Runden liegt, in denen ich als Spieler aktiv bin, zum anderen daran, dass ich einfach keinen Raum finde, in dem ich Spiele anbieten kann. Meine Küche ist einfach zu klein für mehr als drei Personen und ich kann und will da nicht für jede Spielrunde komplett umbauen. Raum und Zeit, die großen Feinde des Hobbys!
Etwas geleitet habe ich dann aber doch, Dungeon Crawl Classics und Online-Testrunden für eine neue Edition für RuneQuest, die nach den Erfahrungen aus diesen Spieltests in dieser Form nicht erscheinen wird. Spaß hat es jedenfalls gemacht! Dass es dennoch ein „leichteres“ RQ-Regelwerk geben wird, freut mich.
Oger e.V. und Pnpde.Social
Ich bin weiter als OgeR aktiv und moderiere auf den pnpde.social Angeboten vor mir hin. Inzwischen haben wir u.a. auch Peertube, eine freie YouTube-Alternative mit Anbindung an das Fediversum. Mehr zu den Neuigkeiten hier.
Rollenspielkram für Andere™
System Matter ist die große Konstante in dieser Kategorie. Korrektorat, Lektorat, ein bisschen Redaktion – das sind meine Hauptaufgaben im Moment.
Ich mache weiter bei den beiden Zines Der Blinzelhund und Der Trichter mit, als Autor und als… nun, redaktionelles Männchen für alles. Dazu weiter unten mehr.
Ich dachte, Dragonbane sollte lange erschienen sein. Nun ja.
Das Parfüm des Vivisezierers (Swords & Wizardry)
Liegt bei einem Verlag und es wird sich zeigen, ob es dort eine Zukunft hat. Wenn es dort nicht erscheinen wird, werde ich es selbst herausbringen. Aber der Gedanke an eine richtige, echte Veröffentlichung bei einem richtigen, echten Verlag ist schon echt gut. „Warten ist der schwierigste Teil“, hat wohl mal jemand gesagt, aber ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt.
Eine Stadt hinter dem Nebel (Science-Fantasy Setting)
Liegt auf Eis, ist aber nicht aufgegeben. Ich überlege, das Ding systemneutral aufzuziehen.
Der Blinzelhund
Es gab eine neue Ausgabe, die Nummer 2, und die ist toll geworden. Ich habe nur ein wenig lektoriert, aber ich hoffe, in Zukunft mehr beisteuern zu können.
Der Trichter (DCC Zine)
Auch der Trichter kam passend zur Spielemesse in einer neuen Nummer heraus. Ich habe in der nächsten Ausgabe einen längeren Artikel, der euch hoffentlich gefallen wird.
Na dann, 2026…
Ein paar Projekte schlummern da in meinen Notizbüchern, die ich gern umsetzen würde. Unter anderem ein Projekt um ein Moor, das ich an ganz realen Kneipentheken in stillen Momenten zusammengekribbelt habe, wie so ein klassischer Fantasy-Antiheld, der gerade niemanden zum Ratte-Schlange spielen finden will.
Aber ich will auch mehr spielleiten, da gern so etwas wie Mythic Bastionland oder doch noch eine richtige bombastische „F20“-Power Fantasy-Kampagne mit dem wirklich tollen neuen 13th Age.
Als Spieler? Ich würde gern eine oder zwei der langen Kampagnen enden sehen, auch weil ich gern mehr Zeit hätte, um Neues zu beginnen oder mehr selbst zu schreiben oder zu leiten. „Leider“ mag ich die Leute und hänge an den Runden.
Sehr, sehr gern würde ich eine Open Table Runde mit ein paar Leuten abseits der regulären alten Rollenspielcommunity Bielefelds beginnen. Ich hoffe, das bekommen wir hin!!
DCC wäre mal wieder toll. Oh, Pendragon auch. Da kommt die neue prächtige Ars Magica Ausgabe, bald …
Es kommt ja doch anders als man denkt, oder? Ich werde hier weiter schreiben.
Ihr passt auf euch auf, ja? Wir lesen uns!