
Wer kümmert sich eigentlich um die Abfälle, die von den fliegenden Festungen mächtiger Zauberkundiger herabgeworfen werden? Die Deponiewacht natürlich – magischer Sondermüll ist keine Aufgabe für Amateur*innen, sondern ein gefährlicher Job für unterbezahlte Profis. Kein Wunder, dass die Deponiewacht chronisch unterbesetzt ist. Aber da gibt es ja eine vielversprechende Gruppe aus motivierten Spieler*innen mit Charakteren auf Stufe 1 bis 2!
Schon die Grundidee zu diesem kurzen Abenteuer mochte ich. Da Pete mir freundlicherweise ein PDF-Exemplar zur Verfügung gestellt hat, schaue ich es mir genauer an – vermutlich hätte ich das sowieso gemacht, aber das habe ich ihm nicht verraten. Ich Fuchs!
Abenteuer für Shadowdark mit Regelanpassungen für D&D
Ärger in der Deponiewacht ist in erster Linie ein Shadowdark Abenteuer, das aber auch mit Dungeons & Dragons gespielt werden kann. Damit ist es tödlicher und unbalancierter als man heute bei D&D erwartet, aber darauf wird gleich zu Beginn hingewiesen. Ein, zwei SL-Tipps zu oldschooligem Spielstil gibt es ebenfalls, das ist vorbildlich.
Es folgen die regelmechanischen Anpassungen zum Spiel mit D&D. In erster Linie handelt es sich um (sehr) wenige geänderte Spielwerte, das wird euch nicht sonderlich aufhalten. Shadowdark-typisch findet das Abenteuer in Echtzeit statt, dazu hätte ich mir einen Hinweis für D&D-Fans gewünscht. Die Spielwerte („Statblocks“) sind knapper als bei 5E üblich und leicht zu verstehen, Abkürzungen werden in zwei Fußzeilen erläutert.
Was ist drin und worum geht es?
Die letzte Bastion der Deponiewacht besteht aus insgesamt acht Räumen – ein kleiner Dungeon, der euch für einen One-Shot gut beschäftigen wird. Im Folgenden wird es Spoiler geben. Also, falls ihr das Abenteuer als Spielende erleben wollt, springt am besten gleich zur nächsten Überschrift.
Es gibt gleich zwei mögliche Einstiege ins Abenteuer, die sich grundlegend unterscheiden und gleich eine andere Stimmung mitbringen. Das mag ich, weniger dass die SC in der zweiten der beiden Vorschläge zwangsverpflichtet werden – derartige Entmachtung mag ich nicht, in einem One-Shot wird es weniger ins Gewicht fallen. Gut gefällt mir hingegen, dass hier Monster lebendig gefangen werden sollen und die Gruppe dafür entlohnt wird. Die „Monster sind zum meucheln da!“ Haltung, die gerade in modernen Fassungen von D&D vorausgesetzt wird, wird hier gleich ausgehebelt. Gut so!
Im zweiten Einstieg wird die Spesenkasse der Wacht gesucht, die aus unerfindlichen Gründen im Bauch eines Krokodils im Monsterkerker gelandet ist. Sehr schön: Ein sympathischer, leicht überdrehter NSC wird den Spielenden zur Seite gestellt. Wenn ich leite, habe ich gern eine Figur wie diese an der Hand, um mehr in der Welt mit den anderen Figuren zu interagieren.
NSC (das Abenteuer übersetzt alle englischen Abkürzungen mit Ausnahme von „NPC“) haben Charaktereigenschaften, Ziele und Motivation, Vorlieben und Abneigungen. Das ist toll, weil es das Leiten unterstützt. Stellenweise vermisse ich Hinweise, um diese Eigenschaften bei nichtsprechenden NSC herauszufinden – wie soll die Gruppe erfahren, dass der dreiäugige Kranich gern Dinge tauscht? Interessanterweise wird auf die Stimmung der Handlungsorte deutlich weniger eingegangen – Sinneseindrücke wie Gerüche, Temperaturen usw. kommen selten vor, wenn es sie überhaupt gibt.
Pete empfiehlt einen eher leichten bis albernen Ton für dieses Abenteuer, die Persönlichkeiten der NSC sollten etwas übertrieben ausgespielt werden. Das sollte hier gut funktionieren, ich persönlich brauche solche Hinweise nicht – der Ton einer Spielrunde entwickelt sich nach meiner Erfahrung automatisch. Aber: Ich mache das bereits ein paar Jahre, neue SL könnten hier für dankbar für die Hilfestellung sein.
Wie sieht das hier denn aus?
Die einzelnen Bereiche des Dungeons werden mit einem kurzen Vorlesetext eingeleitet, der alle Details des Raums enthält. Wenn alle Spielenden die Karte sehen können, könnte das ein wenig zu viel des Guten sein.
Das Layout ist sauber und der Text gut lesbar. Wichtige Begriffe sind fett gesetzt, Spielwerte und Vorlesetexte sind farblich hinterlegt.
Die Spielwerte der NSC und Monster erscheinen an der Stelle ihres Auftretens und werden im Anhang übersichtlich wiederholt. Analog wird auch mit kostbarer Beute (hier Gamer-isch „Loot“ genannt) verfahren, deren Beschreibungen auf den Seiten 1 und 12 erscheinen. Doppelt hält eben besser!
Fehler fielen mir lediglich ein- bis zweimal auf und dann nichts Entscheidendes. Mein Blick ist durch häufiges Textkorrektorat vermutlich besonders geschärft – hier wurde mit Sicherheit sorgfältig gearbeitet.
Die hübsche isometrische Karte gibt es in zwei Ausführungen – eine für die Spielleitung, eine für die Spielenden. Abweichungen werden im Detail aufgeführt.
Das Informationsdesign ist so gut, dass ich mir zutraue, das Abenteuer ohne großartige Vorbereitung „direkt vom Blatt“ zu leiten. Richtig gut!
Fazit
Ärger in der Deponiewacht ist ein besonders gut aufbereitetes, leicht zu leitendes Abenteuer, das durchaus auch für Neulinge geeignet ist. Für faires Geld bekommt man einen kleinen Dungeon, der für ein paar Stunden oldschooligen Pen&Paper-Spaß sorgen wird. Gerade für D&D-erfahrene Gruppen, die einen anderen Spielstil ausprobieren wollen, eine echte Empfehlung.
Ich sollte unbedingt noch das tolle Cover von Agata Wiezorek erwähnen, an den Illustrationen und Karten von Tim Gaedke kann ich lediglich bemängeln, dass viel zu wenige von ihnen enthalten sind.
Infos, Anmerkungen und Bezugsquellen
Abenteuer von Peter Wiezorek, Illustrationen von Tim Gaedke, Cover von Agata Wiezorek.
Zu meiner journalistischen Integrität: Ich kenne Pete ein bisschen und ich habe ein Testexemplar kostenlos enthalten. (Danke schön!)
Ihr bekommt Ärger in der Deponiewacht als PDF als Einzel- und Doppelseitenversion hier: mitvorteil.de. Es kostet derzeit nur 3€, der reguläre Preis beträgt 5€.